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Der Podcast der Touristik

younger than ever again

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Die ITB ist in ihrem 60. Jahr nicht einfach nur älter geworden

Sie ist komplexer geworden, politischer, kultureller, vielleicht auch ehrlicher in dem, was sie für die Touristik bedeutet. Als ich Deborah Rothe zum Abschluss der Messe in mein mobiles Studio eingeladen habe, ging es mir deshalb nicht um ein bloßes Fazit. Mich interessierte die Frage, was diese Messe heute eigentlich erzählt — über den Zustand der Branche, über ihre Hoffnungen, ihre Widersprüche und ihre Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.

Bildbeschreibung

Aus dem Gespräch wurde schnell deutlich, dass die ITB längst mehr ist als ein Marktplatz für Produkte, Kontakte und Abschlüsse. Sie ist ein sozialer Resonanzraum der Branche. Hier wird nicht nur verkauft, hier wird Welt gedeutet: in den Hallen, auf den Bühnen, in Gesprächen zwischen Kaffeemaschine und Konferenzraum, in der Inszenierung von Gastländern, in der Sichtbarkeit von Technologien, in der Sprache des Kongressprogramms. Dass das Motto in diesem Jahr „Leading Tourism into Balance“ lautete, ist deshalb kein dekorativer Claim, sondern ein Ausdruck jener zentralen Zumutung, mit der sich Tourismus heute auseinandersetzen muss: Wachstum zu ermöglichen, ohne Zerstörung zu organisieren; Mobilität zu fördern, ohne Verantwortung zu relativieren; globale Sehnsüchte ernst zu nehmen, ohne lokale Realitäten zu missachten.

Besonders spannend fand ich im Gespräch die Gleichzeitigkeit von Größe und Nähe. Deborah Rothe spricht über fast 6.000 Aussteller aus 166 Ländern, über die Internationalisierung der ITB-Marke nach Asien, Indien und Amerika, über neue Themen wie Agentic Commerce, resiliente Destinationen und nachhaltige Kraftstoffe. Und doch kehrt das Gespräch immer wieder zurück zu den kleinen Begegnungen, zu Emotion, zu Präsenz, zu jener fast altmodisch anmutenden Qualität des persönlichen Austauschs. Gerade darin liegt womöglich die eigentliche Stärke der ITB: dass sie in einer Zeit digitaler Dauerverfügbarkeit die Knappheit echter Begegnung in Wert setzt.

Das Gastland Angola steht dafür exemplarisch. Nicht als folkloristische Kulisse, sondern als selbstbewusste Einladung, einen Kontinent anders zu betrachten: differenzierter, offener, zukunftsorientierter. Auch das ist ITB im Jahr 2026: nicht nur Schaufenster, sondern Möglichkeitsraum. Nicht nur Bühne, sondern Übersetzungsmaschine zwischen Märkten, Kulturen und Erwartungen.

Tourismus ist nie nur Bewegung im geografischen Sinn ist. Er ist immer auch Bewegung im Denken. Und vielleicht ist genau das die bleibende Relevanz der ITB: Sie versammelt nicht nur Anbieter und Abnehmer, sondern Haltungen, Horizonte und Ideen darüber, wie wir künftig reisen — und warum.

Viel Freude beim #schlauhören!

Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media

übrigens: Ist travelholics - der Podcast für Touristiker bei Instagram und freut sich dort über Abonnenten. ;-)


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