Where are we now?
Travel Tech ohne Overpromising
Was Traffics gerade anders macht
Es gibt Gespräche in meinem Podcast, die sich um Produkte drehen. Und es gibt Gespräche, die sich um Voraussetzungen drehen – um die Bedingungen der Möglichkeit von Produktivität, Verlässlichkeit und Innovation in einem Markt, der seine eigene Halbwertzeit beständig verkürzt. Das Gespräch mit Marc Herrgott gehört zur zweiten Kategorie.

Kurz vor der ITB treffe ich auf einen CEO, der nicht mit dem Pathos des Disruptors argumentiert, sondern mit der Nüchternheit eines Architekten im Bestand: Was muss ein Travel-Tech-Unternehmen im Jahr 2026 sein, wenn es nicht nur Ideen produzieren, sondern unter Last liefern will? Herrgotts Antwort ist bemerkenswert unmodisch und gerade deshalb relevant: Fokus statt Ausfransung, Verlässlichkeit statt Wundertüte, Exzellenz in Datenqualität und Supplier Management statt diffuser Innovationsrhetorik.
Dabei ist das Gespräch keineswegs innovationsskeptisch. Im Gegenteil: Es entwirft Innovation als präzise Arbeit am Kern. Die eigentliche Bewegung findet nicht in der Oberfläche statt, sondern im „Maschinenraum“ – dort, wo Infrastruktur, Produktionslogik und Datenarchitektur darüber entscheiden, ob ein Versprechen gegenüber Partnern nur formuliert oder tatsächlich eingehalten werden kann. Das Bild vom schrittweisen Motoraustausch im laufenden Betrieb ist mehr als eine Metapher; es ist eine Zustandsbeschreibung des technologischen Umbaus in reifen Branchenstrukturen.
Spannend wird es dort, wo Herrgott den Blick über Traffics hinaus weitet: auf eine Branche, die in kürzeren Planungszyklen denken muss, auf Wertschöpfungsstufen, die sich neu sortieren werden, und auf KI-Anwendungen, deren Qualität sich nicht an der Oberfläche, sondern an ihrer Tiefe der Datenintegration entscheiden wird. In dieser Perspektive erscheint die Zukunft des Reisevertriebs weder als lineare Fortschreibung noch als abrupter Bruch, sondern als Frage der Orchestrierung: von CRM, Content, buchbaren Leistungen und Nutzerkontext zu einem Angebot, das individueller wirkt, selbst wenn es strukturell noch Pauschalreise ist.
Dieser Talk im Podcast der Touristik ist deshalb auch ein Gespräch über die vielleicht wichtigste Frage für die kommenden Jahre: Wer baut nur weiter Balkone an bestehende Systeme – und wer traut sich, den Motor tatsächlich zu wechseln?
Danke für #schlauhören und #weiterdenken und herzliche Grüße!
Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media
übrigens: Ist travelholics - der Podcast für Touristiker bei Instagram und freut sich dort über Abonnenten. ;-)
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