Bleibt alles anders?
Zwischen Stabilität und Strukturwandel
Der deutsche Reisemarkt 2026
Der deutsche Reisemarkt wirkt auf den ersten Blick erstaunlich robust. Wer nur die Schlagzeilen der Gegenwart kennt, könnte anderes vermuten: geopolitische Unsicherheiten, beschleunigte Öffentlichkeit, wirtschaftliche Vorsicht, technologischer Umbruch. Und doch zeigt sich in den diskutierten Daten ein bemerkenswert anderes Bild: Reisen bleibt für viele Menschen kein entbehrlicher Luxus, sondern ein stabiler Bestandteil ihres Lebensentwurfs.

In dieser Episode des travelholics-Podcasts spreche ich mit Ulf Sonntag und Michael Buller über die VIR Daten & Fakten zum Online-Reisemarkt 2026 und damit über mehr als nur Marktkennzahlen. Es geht um die Frage, wie sich ein Markt verändert, der zugleich stabil bleibt. Denn genau darin liegt die eigentliche Pointe: Nicht der Reisewille bricht weg, sondern seine innere Logik verschiebt sich.
Die Hauptreise gewinnt an Gewicht, während Zweit- und Zusatzreisen zurückhaltender geplant werden. Die Ausgaben steigen, aber nicht nur aus Lust am Mehr, sondern auch unter dem Eindruck verteuerter Rahmenbedingungen. Urlaub erscheint in diesem Licht als priorisierte Auszeit: als bewusst verteidigter Raum für Distanz, Sonne, Genuss und Unterbrechung des Alltags. Der anhaltende Erfolg des Mittelmeerraums ist deshalb kein Zufall, sondern Ausdruck eines Bedürfnisses nach Verlässlichkeit und emotionaler Entlastung.
Parallel dazu verändert sich der Vertrieb nicht revolutionär, sondern tiefgreifend. Die alte Gegenüberstellung von digital und stationär wirkt zunehmend überholt. Gebucht wird online, hybrid, beraten per Telefon, Link oder persönlich – entscheidend ist nicht mehr die reine Kanalfrage, sondern die Qualität der Verbindung. Digitalisierung ist in diesem Sinne kein Projekt mehr, sondern infrastrukturelle Realität.
Und genau an dieser Stelle tritt die Künstliche Intelligenz ins Zentrum. Noch ist sie für viele vor allem Werkzeug der Inspiration und Planung. Doch der eigentliche Wandel, so legt es das Gespräch nahe, wird tiefer reichen: in Sichtbarkeit, Systemlogik, Marketing, Kommunikation und Prozessarchitektur. Die Branche steht damit nicht vor dem Ende des Reisens, sondern vor einer Neuordnung ihrer Vermittlungsformen.
Diese Episode ist deshalb nicht nur ein Gespräch über Zahlen. Sie ist ein Gespräch über die Grammatik eines Marktes, der stabil bleibt, indem er sich verändert.
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Danke für #schlauhören und #weiterdenken und herzliche Grüße!
Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media
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