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Der Podcast der Touristik

Impulse4Travel 2030

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Impulse4Travel 2030

Vom Produkt zur Lebensraumfrage

Ein Manifest ist ein riskantes Genre. Zu viel Pathos – und es wird zur Pose. Zu viel Pragmatismus – und es verkommt zur Folienlogik. In der Touristik, die gern zwischen operative Hektik und ritualisierte Zukunftsrhetorik pendelt, ist das besonders heikel. Genau deshalb lohnt der Blick auf „Impulse4Travel 2030“: nicht als Heilsversprechen, sondern als Versuch, der Branche eine Sprache zu geben, in der sie wieder gemeinsam denken kann.

Bildbeschreibung

Im Gespräch mit Anja Kirig und Michael Faber von realizing progress sowie Michael Buller (VIR) wird deutlich, dass dieses Manifest nicht in einem stillen Kämmerlein entstanden ist. Es ist – und das ist sein eigentlicher Anspruch – ein verdichtetes Echo aus vielen Vorab-Gesprächen: Reisebüros, Veranstalter, Destinationen, Hotellerie, Verkehrsträger. Es ist keine Unterschriftenliste, kein moralischer Vertrag. Eher ein Koordinatensystem für die nächsten fünf Jahre.

Die stärkste Verschiebung liegt in der Perspektive: Tourismus nicht nur als Anbieter von Erlebnissen, sondern als Mitgestalter von Lebensräumen. Das klingt groß – und ist dennoch konkret. Denn wer Lebensräume mitgestaltet, kann sich nicht damit begnügen, Nachfrage zu bedienen; er muss Akzeptanz, Ressourcen, lokale Qualität und die soziale Statik eines Ortes mitdenken. Der touristische Erfolg wird damit weniger zur Frage der Auslastung als zur Frage der Lebensfähigkeit – für Gäste und Gastgeber zugleich.

Als zweites durchzieht KI die Debatte wie ein Leitmotiv. Nicht als Tool, das man „auch noch“ einführt, sondern als Umbau der Wertschöpfung: neue Individualisierung, neue Rollen, neue Leitplanken. Kirig spricht von „Symbiotic Intelligence“ – einem Zusammenspiel, in dem Maschine und Mensch nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern Zuständigkeiten neu sortiert werden: Routine wird automatisierbar, während Empathie, Kuratierung, Verantwortung und Urteilskraft an Bedeutung gewinnen. Und genau dort liegt die stille Zumutung des Manifests: Wer KI einsetzt, setzt auch sein eigenes Wertesystem aus – denn am Ende sprechen Maschinen im Ton der Organisation, die sie freisetzt.

Dass Nachhaltigkeit in nahezu jeder Input-Gruppe auftauchte – stärker als 2020 –, zeigt eine Verschiebung von der Ideologie zur Notwendigkeit. Nicht mehr: „Wir machen die Welt besser.“ Sondern: „Wenn wir das nicht tun, haben wir ein Problem mit unseren Produkten.“ Das ist weniger romantisch, aber erwachsener. Und es passt zur Marktfrage, die im Talk unangenehm klar benannt wird: Urlaub wird teurer; leistbar ist er längst nicht mehr für alle. Zwischen Preissensibilität und Wertorientierung entsteht eine Spannung, die sich nicht wegmoderieren lässt.

Am Ende ist „Impulse4Travel 2030“ deshalb vor allem eines: ein Appell zur Professionalisierung des Zukunftsdenkens. Nicht als Trend-Show, sondern als betriebliche Praxis. Kein Abhak-Katalog, sondern ein Wertekompass, der sich erst beweist, wenn er in Entscheidungen übersetzt wird: in Produktgestaltung, in Kommunikation, in Technologieeinsatz, in Partnerschaften – und in den Mut, auch unbequeme Fragen sichtbar zu machen.

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Danke für #schlauhören und #weiterdenken und herzliche Grüße!

Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media

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