Touristik 2026 - Alles wird gut!
3B-Gipfeltreffen 2026: Über die Ökonomie des Vertrauens im Zeitalter der KI
Jahresausblicke haben einen Hang zur Oberfläche: Zahlen, Ziele, Marktanteile. Doch die Touristik im Jahr 2026 ist weniger eine Branche im klassischen Sinn als ein System im Umbau – und Systeme lassen sich nicht mit Checklisten beruhigen.
**Im 3B-Gipfeltreffen treffe ich erneut Thomas Bösl und Michael Buller. ** Deshalb eine Setzung, die wie ein stilles Axiom unter der gesamten Episode liegt: Vertrauen ist Währung.
Währung heißt: Es gibt Kurse, es gibt Inflation, es gibt Gewinner – und es gibt Institutionen, die Stabilität erzeugen (oder verlieren).

KI beschleunigt alles, aber nicht gleichmäßig. Sie entlastet Prozesse – und erzeugt gleichzeitig neue Ungewissheit. Bösl insistiert auf einem unromantischen Pragmatismus: KI gehört dorthin, wo sie hilft; man muss beobachten, wie sich Konsumentenverhalten verschiebt; und man muss schneller reagieren als früher.

Buller beschreibt die Kehrseite: Eine Geschwindigkeit, die Unternehmen strukturell und mental überfordert, weil Reflexion nicht mehr mit der Innovationsrate mithält.
Im Reisevertrieb verdichtet sich diese Spannung zu einer Rollenfrage: Was bleibt, wenn Maschinen Reiseideen und Buchungsstrecken „gut genug“ generieren? Die Antwort ist nicht „der Mensch“, sondern eine spezifische Qualität des Menschlichen. Bösl nennt es EI – emotionale Intelligenz – in Verbindung mit KI: Kontext, Fingerspitzengefühl, Beziehung, Verantwortung.
Die Stimmung in dieser Episode scheint mir kein reines Sentiment. Es ist Positionierung – und damit auch Preisfrage. gerne strapaziere ich erneut und bewusst das Tabu: Wenn Technologieinvestitionen steigen, müssen Vergütungsmodelle weitergedacht werden – von Provision bis Beratungsentgelt, von Premium-Logik bis Club-Mitgliedschaft.
Parallel verschieben sich die Regeln der Sichtbarkeit. KI-Anfragen verhalten sich nicht wie Menschen: Sie kommen, extrahieren Information, verschwinden – ohne Kaufabsicht.

Wer 2026 weiterhin nur Reichweite optimiert, optimiert möglicherweise am Markt vorbei. Der implizite Auftrag lautet: Bindung neu definieren, Loyalität jenseits von Rabatt-Mechaniken denken – und die Fähigkeit zur glaubwürdigen Empfehlung stärken.
Schließlich zeigt unser Talk auch, dass „Zukunft“ nicht allein technisch verhandelt wird. Regulierung wirkt als Marktstruktur: Die Pauschalreiserichtlinie wird von Michael Buller und Thomas Bösl als haftungsbasierter Schutzmechanismus beschrieben – ein Grund, warum Plattformen trotz Datenmacht nicht einfach packaging-dominant werden.
Und die 2030-Perspektive? Michi lobt Impulse, fordert aber Zielklarheit: Maßnahmen ohne „Wofür“ bleiben Verwaltung statt Strategie.
So endet das 3B-Gipfeltreffen nicht mit Prognosen, sondern mit einem Denkangebot: Wenn Vertrauen die Währung ist, dann ist die Aufgabe 2026, Institutionen des Vertrauens zu bauen – im Reisebüro, in Plattformen, in Prozessen, in Politik. Alles andere ist nur Taktik.
Danke für s weiterdenken und herzliche Grüße!
Roman Borch Podcaster & Producer travelholics.media
übrigens: Ist travelholics - der Podcast für Touristiker bei Instagram und freut sich dort über Abonnenten. ;-)
Kommentare
Neuer Kommentar